verkehr ist mehr….

Nach einigen Wochen Verantwortung für die Grazer Verkehrspolitik kann ich ein erstes Resumee ziehen.

1. Es ist durchaus sinnvoll, keine “Verkehrsexpertin” zu sein, sondern aus einem ganz anderen Feld in diesen Bereich einzusteigen. Für die technischen Lösungen gibt es gute Experten (wenige Expertinnen). Doch vor der technischen Lösung und der Umsetzung kommt viel Anderes: Da geht es zuerst um unterschiedlichste Bedürfnisse, um Kommunikation und nicht zuletzt um die mehr oder weniger gerechte Verteilung von Chancen. Da kann ein anderer Blick sehr hilfreich sein, wenn er auch manchmal im ersten Moment nicht so leicht nachvollziehbar ist. Eine gute Chance herkömmliche Traditionen zu verändern, aber auch ein gewisses Risiko…

 2. Mobilität betrifft uns alle - also besteht Graz aus ca. 250.000 VerkehrsexpertInnen, oftmals als vielfach Betroffene. Einmal als AnrainerInnen mit dem Bedürfnis nach Ruhe, Sicherheit und Erreichbarkeit, dann wieder als sich durch die Stadt bewegende (Auto/Bim/Bus)-Fahrerende, als Radfahrende oder als Gehende mit dem Wunsch, möglichst schnell und bequem von da nach dort zu kommen.

3. Emotional wird es immer, egal ob es um das Auto geht und oder um die “Öffis”.  Aber auch das Rad scheint für Wallungen zu sorgen. Bei FußgängerInnen ebenso wie bei RadlerInnen. Desto mehr ich mich mit den einen oder anderen VerkehrsteilnehmerInnen beschäftige, komme ich zum Schluss, dass Freiheit ein wesentlicher Grund für die ungebrochene Attraktivität des Autos und - so scheint mir - auch der des Rades zu sein scheint. Ohne zu sehr psychologisierend auf die Phänomene der Straße eingehen zu wollen, so sehe ich doch, dass hier einer der Schlüssel für unser aller Mobilitätsverhalten liegt. Wenn unser Verhalten also im Sinne von besserer Luft, mehr Sicherheit, von mehr Platz aber auch von gerechteren Verhältnissen verändert werden soll, dann sind die  damit verbundenen Emotionen und Motivationen keineswegs zu unterschätzen. Ein steigender Benzinpreis alleine ändert noch wenig - es ist wohl komplexer und womöglich einfacher zu gleich ;-)

Verkehr ist mehr… als Politikfeld einer der Schlüsselbereiche in der Stadt -  wenn auch auf den ersten Blick eine trockene Materie, bei näherer Befassung hochspannend und wirklich nahe an den Menschen. Nicht immer konfliktfrei aber meistens erkenntnisreich - und nicht immer ist die erste Antwort auch die richtige.

Kategorie: Verkehr, Stadt, Die Grünen |

4 Reaktionen zu “verkehr ist mehr….”

  1. martin

    wie unaktuell kann ein blog sein, damit er noch blog heissen darf?

  2. Werner Stocker

    Das Fahrrad ist ja ganz nett, aber quer durch die Stadt mangels Radfahrwege auf den Hauptverkehrsstrassen zu fahren ist einfach zu gefährlich. Und nachdem mein Fahrrad von irgendjemanden “entsorgt” wurde auch nicht mehr möglich.

    Bezüglich Öffis: warum fordert man nicht wieder die Einführung der elektrischen O-Busse? Weniger Gestank, viel sauberer als jeder Biodiesel, und wenn man die Einführung in allen Ballungszentren fordert wird die Industrie auch geeignete moderne Fahrzeuge zu einem vernünftigen Preis entwicklen. In Moskau gibt es unzählige, und wenn die dort den Betrieb überstehen halten die in Graz eine Ewigkeit.

  3. Poidi

    ich habe mir gerade das interview mit radio helsinki angehört:

    wie sieht es denn nun aus mit der kostenwahrheit des autos?

    wo bleiben die radfahrstraßen?

    wo wird die fuzo wieder den fußgängern übergeben?

    wann fällt endlich die unsinnige radwegbenutzungspflicht.

    wann gibts endlich genug abstellplätze für räder?

    wann kommt die fuzo annenstraße?

    ich will hier nicht als undankbar erscheinen, und bin dankbar endlich grüne ideen in der regierung zu haben.

    aber wenn zB mein vorposter gerne mit dem Rad fahren würde - es ihm aber zu gefährlich ist, dann passt doch was nicht!

    darum:
    reclaim the streets
    www.criticalmass.at

  4. Robert Sandner

    S.g.Frau Stadtrat,
    ich habe Sie nicht gewählt, damit Sie nach kurzer Zeit die Gebühren der grünen (!) Zone erhöhen. Ich werde Sie auch nicht mehr wählen, ich bin stinksauer, wenn das wirklich kommen sollte! Nichts als Abkassiererei!


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