Vom Untergang des Abendlandes
Wenn wir Homos heiraten, dann geht die Welt unter. So die Befürchtung des katholischen Familienverbandes, zumindest der Sprecherin Sissy Potzinger. Nun haben sich Schüssel und Molterer in der Frage der standesamtlichen Trauung für gleichgeschlechtliche Paare etwas zurückgelehnt und lassen unsere Gemeinderätin Potzinger die Diskussion austragen. Wie wir sie kennen, stürzt sie sich mit wehenden Fahnen ins Gefecht und appelliert an den Schutz der Jugend, der Familie und überhaupt all der Dinge, die “uns“ heilig sind.
Und wer ist der Feind? Sind es Schwule und Lesben, die nun einmal lieben wen sie lieben und sich offiziell dazu bekennen und damit immerhin Verantwortung füreinander übernehmen wollen? - Schlecht für die Jugend? Wenn wir als Menschen mit unserer sexuellen Orientierung sichtbarer werden und die Norm der Heterosexualtität damit ein bisschen in Frage gestellt wird, sind wir dann gleich der Untergang der Gesellschaft (in diesem Kontext geht es wohl um das “christliche Abendland”
)? Glauben Sissy Potzinger und alle anderen KämpferInnen gegen die Anerkennung von HomopartnerInnenschaften denn im Ernst, dass junge Menschen sich dann “umpolen” lassen? Der Hintergrund - die Sorge um die Familie ist Anlass der Abwehr und gleichzeitig das beste Argument für die Gleichstellung. Wenn nämlich Familie so eine sinnige Einrichtung ist (was manche Gewaltstatistik ein bisschen anzweifeln läßt), dann sollte der katholische Familienverband doch aufatmen, wenn sich Lesben und Schwule auf diese Form der Beziehung einlassen wollen. Und dabei ist wirklich nicht zu vergessen, wievielen Kindern diese Regenbogenfamilien dann offiziell anerkannte Heimat sein werden. So zu tun, als wäre das Modell Vater/Mutter/Kinder(er) das Heil unserer Gesellschaft, ist schon wirklich weitab von jeder Lebensrealität und diskriminiert auch jede/n AlleinerzieherIn oder sonstige Form des familiären Zusammenlebens. Und ein bisschen vom Wissen über das reale Leben hab ich meiner werten Kollegin Sissy Potzinger schon zugetraut - zumal sie sich schon so lange damit auseinandersetzt. Also don`t panic, just do it! Ich persönlich freue mich schon auf die erste Trauung in unserem Grazer Rathaus!
Übrigens passend zum Thema ganz neu im Internet - insbesondere für junge Menschen: www.totalnormal.at eine interaktive Homepage entwickelt von den GrünenAndersrum Österreich
Kategorie: Homosexualität, Die Grünen |

am 30. März 2008 um 20:12 Uhr | #
Offenbar sieht Sissy Potzinger bei gleichgeschlechtlichen Lebensparnterschaften ausschließlich den sexuellen Aspekt.Ich meine aber, dass durchaus auch zwei männliche oder weibliche Heteros eine Lebenspartnerschaft vor dem Standesamt schließen können sollten. Gerade wenn beide oder eier der beiden Kinder haben. Die Mehrzahl der Kinder mit Beziehungsstörungen kommt nämlich sicher aus “normalen” und “guten” Ehen …
am 2. April 2008 um 09:51 Uhr | #
Manchmal weiß ich nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll, wenn ich die fadenscheinigen Ausreden lese, mit denen eine Homoehe oder Homopartnerschaft abgelehnt wird. Und dann wird auch noch darüber diskutiert, ob es eine “Zeremonie” geben darf und wo diese stattfinden soll und ob sie überhaupt in ganz Österreich angeboten wird.
Man stelle sich das mit einer anderen Minderheit vor - Heirat unter 18.
“Wos, Sie woin heiraten? No, do müssn’S zur BH Wien. Des kummt so sölten vua, do kenna ma uns net aus. Awa Zeremonie kriagn’S kane!”
Einfach nur peinlich.
Im Übrigen bin ich auch für ein Vorantreiben des Projekts “Zivilpakt”. In Frankreich gibt es das schon und es ist so beliebt, dass ca. die Hälfte aller neu geschlossenen “Ehen” Zivilpakte sind. Dh, dass es auch von heterosexuellen Paaren in hohem Maße genutzt wird.
Es muss auch in Österreich bekannter werden, dass der Zivilpakt für alle sein soll.
Und auch der in den Medien verwendete Name “Halbehe” oder “Ehe light” stört mich enorm.
(Ein Vertrag ohne rigorose Kündigungsfristen wird ja auch nicht “Halbvertrag” genannt)
Für mich war das von Anfang an die “moderne Ehe” oder die “neue Ehe”.
Liebe Grüße
PS: “Kinder(er)” ausbessern in “Kind(er)”!
am 2. April 2008 um 22:34 Uhr | #
Ist es nicht ironisch, dass versucht wird, Homos gerade dann Steine in den Weg zu legen, wenn sie genau das tun, was sonst als Essenz der biederen Respektabilität gilt - heiraten, sich niederlassen, in geordneten bürgerlichen Verhältnissen leben… ?!?
am 3. April 2008 um 11:56 Uhr | #
Verhältnismäßig groß war die Freude, als die ÖVP Perspektivengruppe unter Umweltminister Josef Pröll ankündigte, die homosexuelle PartnerInnenschaft einführen zu wollen. Ebenfalls groß war die Skepsis diverser Homosexuelleninitiativen, der Grünen Andersrum und auch von mir, ob die ÖVP nun wirklich in der heutigen Zeit und der gesellschaftlichen Realität angekommen sei. Offenstlich war die Skepsis mehr als nur berechtigt.
ÖVP-Chef und Vizekanzler Molterer sowie Minister Platter haben nun festgehalten, dass für sie eine “Eingetragene PartnerInnenschaft” nicht vor dem Standesamt geschlossen werden kann. Dabei hat Molterer nach der Präsentation der ÖVP Perspektiven, eine punktgenaue Umsetzung dieser zugesagt - so auch der “Eingetragenen PartnerInnenschaft” für homosexuelle Paare. Nun will er davon nichts mehr wissen. Die erzkonservativen Strömungen in der ÖVP haben sich durchgesetzt und die ÖVP will offensichtlich nicht im 21. Jahrhundert ankommen.
Was tut die Kanzlerpartei? Genau nichts. Justizministerin Berger von der SPÖ meinte nur, dass sie sich nicht in den Meinungsbildungsprozess innerhalb der ÖVP einmischen müsse. Aber anstatt Druck auf die ÖVP auszuüben und auf der “Eingetragenen PartnerInnenschaft” am Standesamt zu bestehen, meint der “Umfaller”-Kanzler nur, dass “die MinisterInnen und die ÖVP eine Einigung finden müssten”. Für mich ist nicht schwer zu erraten, dass für Gusenbauer somit auch Alternativen zum Standesamt möglich wären.
Kurz: Kurz: Gusenbauer samt der SPÖ fällt schon wieder um - diesmal mit der ÖVP-Spitze gemeinsam. Und für homosexuelle Menschen heißt es, weiter auf (rechtliche) Gleichberechtigung warten…
am 7. April 2008 um 20:10 Uhr | #
Meine “liebe Sissi Potzinger” da werden wir wohl noch einiges zu reden haben. Platz und Zeit für Kinder zu finden und sich dafür stark zu machen ist wahrlich ein politischer Auftrag und wird von mir voll inhaltlich unterstzützt, doch sollen diese so schwere wie schöne Aufgabe alle machen dürfen. Dafür lohnt es sich zu arbeiten, damit unse Kinder und die unserer Mitmenschen ein ausreichend wohliges und sicheres Zuhause antreffen. Die Kinder sollten unsere Ratgeber sein und ihr Wohl sollte unser Ziel. Unterstützen wir doch gemeinsam alle die Kinder betreuen, fördern und Heimat geben möchten. Da bin ich mit von der Partie, also bis bald und gute Träume. m.l.g. heinz b.